Erfahrungsbericht
An dieser Stelle beschreiben wir unsere Erfahrungen im Prozess der Auswanderung nach Neuseeland. Vielleicht ist das eine oder andere hilfreich für Menschen, die ebenfalls vor einer solchen Entscheidung stehen.
Vorbemerkung
Die Ausgangssituation und die Motivation ist sicherlich bei jedem eine andere. Wir haben vier Kinder, von denen sich drei im Studium befinden bzw. dieses schon abgeschlossen haben. Nur unsere jüngste Tochter Eva lebt noch fest mit in unserem Haus. Wir sind seit 1997 selbstständig, ich (Holger) als IT-Consultant und IT-Supporter, meine Frau Beatrix erledigt die gesamte administrative und finanztechnische Arbeit und kümmert sich um das Marketing unserer kleinen Firma.
Unsere Überlegungen zur Auswanderung begannen Ende 2007, bedingt durch den Auszug unserer großen Kinder (unser Sohn hat z.B. eine amerikanische Freundin und diese zwischenzeitlich auch geheiratet). Beruflich läuft alles sehr gut, allerdings fehlte uns in allem Tun der Reiz des Neuen. Dies führte zu der Überlegung, unser Leben grundlegend zu ändern.
Vorbereitungen
Für unsere Auswanderung kamen grundsätzlich nur Länder in Frage, deren Sprache wir sprechen, also alle Länder mit Englisch als Amtssprache. Durch die Lektüre verschiedener Bücher und durch Reiseberichte stand Neuseeland als Ziel sehr schnell fest. An diesem Punkt haben wir uns zunächst näher mit den kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen beschäftigt sowie uns Informationen zu den Einwanderungsbedingungen beschafft. Sehr schnell wurde uns klar, dass hier professionelle Unterstützung nötig ist. Durch Fernsehberichte und Artikel im Internet sind wir dann auf Peter Hahn in Wellington gestoßen (www.peterhahn.co.nz). Wir haben dann ein ausführliches Telefongespräch mit ihm geführt und uns den Ablauf des Einwanderungsprozesses noch einmal erklären lassen.
Die ersten wichtigen Schritte waren der Englisch-Test (IELTS), die Bewertung und Anerkennung meiner Ausbildung als Dipl.-Ing. (FH) Nachrichtentechnik als relevant für den Bereich IT sowie anschließend die Einreichung des Expression of Interest (EOI). Ziel ist für uns letzendlich der Erhalt der dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung (Permanent Residence), der dann alle Freiheiten hinsichtlich unserer Arbeit in Neuseeland bietet. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, auch unsere beiden anderen Töchter mit in den Antrag hineinzunehmen, da der Permanent Residence auch die Möglichkeit zum Studium in Neuseeland bietet.
Um den IELTS-Test sicher zu bestehen, haben meine Frau und ich einige private Englischstunden bei einer zertifizierten Sprachschule genommen. Unsere Kenntnisse waren auf dem Stand des Schulenglisch, aber sicher nicht ausreichend für den IELTS-Test, wie wir schnell feststellen mussten. Mit diesen Vorbereitungen absolvierten wir dann Anfang Januar 2008 den IELTS-Test in Köln und haben diesen auf Anhieb bestanden. Mit den Unterlagen konnten wir dann auch durch Peter Hahn unseren EOI einreichen. Aus dem Pool der Bewerber wurden wir dann sofort ausgewählt und wir haben dann alle Unterlagen zur Anerkennung meiner Ausbildung im Original (!) an Peter Hahn geschickt.
Kennenlern-Reise
Wir haben zwar viel über Neuseeland gelesen und gesehen, das ersetzt aber nicht den persönlichen Eindruck. Daher planten wir (meine Frau, unsere jüngste Tochter Eva und ich) für Mitte bis Ende März 2008 eine 14-tägige Reise nach Neuseeland . Schon im Vorfeld haben wir von Deutschland aus Termine mit Personalberatungen (Job für mich), Schulen (für Eva) sowie mit unserem Einwanderungsberater geplant. Um mit den Menschen näher in Kontakt zu kommen, buchten wir für die ersten Übernachtungen Bed&Breakfast. Eine besondere Herausforderung in dem gesamten Projekt zu diesem Zeitpunkt war, dass wir auf Grund unserer Selbstständigkeit nicht offen über unser Vorhaben sprechen konnten. So war unsere Tochter Eva auch bis zum Besuch einer Schule in Wellington davon ausgegangen, dass es sich um eine - weite - Urlaubsreise handelt. Sie hat aber dann die Idee der Auswanderung schnell sehr toll gefunden und war auch immer begeistert. Ohne ihr Einverständnis hätten wir das Projekt auch nicht weiter fortgesetzt.
Außer den schon beschriebenen Terminen, die wir wahrgenommen haben, schauten wir uns auch sehr genau die Lebenshaltungskosten und viele andere Dinge (z.B. Hauspreise, Autopreise, …) an. Den Rest der Zeit nutzten wir für Sightseeing und sind mit dem Mietwagen von Wellington über Wanganui, Rotorua, Taupo nach Auckland gefahren.
Zurück in Deutschland
Zurück in Deutschland haben wir unsere Pläne zunächst mit unseren älteren Kindern besprochen. Die Meinungen reichten hier von Skepsis bis zu Begeisterung. Ohne unsere Pläne zu kennen, hatte sich unsere älteste Tochter darüberhinaus entschlossen, ihr Studium um ein Jahr zu verlängern und sich hierfür bereits die Universität von Auckland ausgesucht.
Wir selber haben uns zunächst etwas Bedenkzeit genommen um die Eindrücke zu verarbeiten und unsere Entscheidung - wie auch immer - sicher zu machen. Wir waren uns dann aber schnell einig, unsere Pläne für die Auswanderung umzusetzen. Mitte April 2008 erhielten wir von Peter Hahn die Nachricht , dass wir die “Invitation to Apply” erhalten haben.
Unterlagen beschaffen / medizinische Untersuchungen
Mit der “Invitation to Apply” erhielten wir eine lange Liste von Unterlagen, die wir beschaffen mussten. Da wir zu diesem Zeitpunkt seit über 10 Jahren selbstständig waren, war das - was z.B. Arbeitszeugnisse betrifft - nicht ganz so einfach. Außerdem mussten wir mit allen fünf Antragstellern (wir haben ja unsere beiden älteren Töchter mit in den Antrag aufgenommen) die medizinischen Untersuchungen durchführen. Hierzu fuhren wir zu Ärzten in Köln, die von der neuseeländischen Enwanderungsbehörde speziell für diese Untersuchungen zugelassenen sind. Anfang Juni hatten wir dann endlich alle Unterlagen zusammen und schickten diese an Peter Hahn in Wellington. Dieser hat alle Dokumente noch einmal überprüft und dann nach London geschickt. Von diesem Zeitpunkt an (Anfang Juli 2008) sollten wir mit einer Bearbeitungszeit von ca. 6 Monaten rechnen, sofern es keine Rückfragen z.B. bei den medizinischen Tests gibt.
Warten und Entscheidungen
Unsere Unterlagen lagen jetzt in London, am Fortschritt diese Prozesses konnten wir nichts mehr machen. Da wir aber ein eigenes Haus hatten und selbstständig waren, mussten wir einen Plan für den Verkauf des Hauses und der Firma machen. Zu diesem Zeitpunkt wollten wir aber damit noch nicht öffentlich werden, so dass beide Prozesse mit großer Vorsicht vorangetrieben werden mussten. Wir haben letztendlich viel Zeit damit verbracht, einen Käufer für unser Haus und eine qualifizierten Nachfolger für unsere Firma zu finden.
Ende September 2008 war alles soweit fortgeschritten, dass wir einen Käufer für unser Haus gefunden hatten. Damit war auch der Zeitpunkt für den Auszug aus dem Haus klar und so haben wir dann auch Flüge nach Neuseeland für Ende Januar 2009 gebucht. Für unsere Firma hatten wir bis dahin noch keinen Nachfolger und es gab auch noch keinerlei Entscheidung aus London zu unserem Antrag. Wir sind damit natürlich schon ein gewisses Risiko eingegangen, zumal wir auf Grund des Hausverkaufs auch die Kunden in unserem direkten regionalen Umfeld über unser Vorhaben informieren mussten.
Im November fanden wir endlich einen Nachfolger für unsere Firma und es wurde eine Firmenübergabe für Ende 2008 vereinbart. Klar war also, dass wir ab Januar 2009 kein Einkommen und ab Februar 2009 kein zuhause mehr haben werden. Eine Entscheidung aus London war immer noch nicht absehbar, dafür wurden neue medizinische Unterlagen von Ärzten (Spezialisten) nachgefordert, da bei dreien von uns nicht alle medizinischen Werte im Normbereich waren.
Entscheidung aus London
Es ist Mitte Dezember und Weihnachten steht vor der Tür. Am 17. Dezember erhalten wir endlich die Rückmeldung aus London, dass alle Papiere in der vorliegenden Form akzeptiert werden. Da wir aber keinen Job / Job-Offer in Neuseeland haben, muss ich noch ein Telefoninterview mit der Visa-Officer führen. Erst nach diesem Interview würde sich entscheiden, ob wir überhaupt ein Visum und wenn ja, ein Arbeits- oder ein dauerhaftes Visum erhalten. Das Interview fand dann am 22. Dezember statt und hat ca. 40 Minuten gedauert. Am Ende des Interviews habe ich dann natürlich gefragt, wann mit einer Entscheidung zu rechnen wäre. Erwartungsgemäß bekam ich die Antwort, dass jetzt erstmal Weihnachten und Neujahr wäre und somit mit einer Entscheidung nicht vor Anfang Januar 2009 zu rechnen wäre. Um so überraschender kam dann am 23. Dezember die Email aus London, dass die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für alle fünf genehmigt ist. Am 18. Januar 2009 haben wir dann auch die Pässe mit den Visa per Post erhalten.
Wie es weitergeht
… das steht in unserem Blog
Fazit
Einige Dinge sollte man bei einer Auswanderung unbedingt beachten:
- man sollte die Sprache des Landes sprechen
- bei Auswanderung in Länder mit speziellen Einwanderungsbedingungen sollte man sich einen Berater mit Kenntnissen vor Ort suchen
- für den gesamten Auswanderungsprozess sollte man ausreichend Zeit einplanen
- man sollte das Auswanderungsland besuchen und alles auch durchaus kritisch betrachten
Und was noch?
Was wir hier nicht beschrieben haben, ist die gesamte Abwicklung die notwendig war, um unseren Hund von Deutschland mit nach Neuseeland zu nehmen. Das werden wir vielleicht noch nachholen.